30 Jahre Arten- und Biotopschutzprogramm Baden-Württemberg. Bei Gültlingen (Kreis Calw) besuchte Umweltministerin Walker (Grüne) eines der letzten Vorkommen des Kreuzenzians. Quelle: SWR vom 23.9.2021

Dort kommt auch noch der Kreuzenzian-Ameisenbläuling vor. Die seltene Schmetterlingsart braucht bestimmte Wiesen und Blumen, um sich zu vermehren. Viele solcher Arten gibt es nur noch, weil es das Artenschutzprogramm Baden-Württemberg gibt, wie es aus dem Umweltministerium heißt.

8.500 Vorkommen gefährdeter Arten

Seit 1991 wurden rund 8.500 Vorkommen gefährdeter Arten erfasst und geschützt, also beispielsweise, indem Wiesen und Heiden erhalten werden, die sie zum Leben brauchen. So können auch Schmetterlinge wie das Bergkronwicken-Widderchen oder der Weißdolch-Bläuling überleben. Sie stehen auf der "Roten Liste", weil sie stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind, erklärte Landesumweltministerin Thekla Walker (Grüne) bei ihrem Besuch in Gültlingen im Landkreis Calw.

"Für diese bedrohten Arten brauchen wir schnelle Lösungen."

Das Arten- und Biotopschutzprogramm sei das Feuerwehrprogramm des Artenschutzes im Land. Das Programm sei unverzichtbarer Baustein für das Ziel der Landesregierung, das Artensterben in Baden-Württemberg zu stoppen und stark zurückgegangene sowie in Europa streng geschützte Arten wieder zu stabilisieren. Deshalb werde es auch weitergeführt.

Naturschutzbund Deutschland fordert langfristige Finanzierung

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) würdigte die Erfolge des Arten- und Biotopschutzprogramms. Zugleich forderte der Landesvorsitzende des NABU, Johannes Enssle, eine langfristige Finanzierung von Projekten. Nach deren Ende müssten Maßnahmen, die erfolgreich waren, in eine dauerhafte Finanzierung überführt und der Erfolg des "Feuerwehreinsatzes" damit dauerhaft gesichert werden, so Enssle.

Mit Blick auf die Artenhilfsprogramme sieht der NABU nach wie vor große Defizite. Es müsse früher gehandelt werden, bevor die Tiere und Pflanzen bedroht seien. Als Beispiele nannte Enssle die Fledermäuse im Land, windkraftsensible Vogelarten und Bodenbrüter, die allesamt besonders stark gefährdet seien. Hier brauche es eigene Rettungsprogramme, gerade auch im Hinblick auf den notwendigen Ausbau der Windenergie im Land, so der NABU.

Biotopvernetzung mit besonderer Bedeutung

Weitere Bausteine des Artenschutzes in Baden-Württemberg sind der landesweite Biotopverbund sowie die Umsetzung des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.

"In Zeiten von Klimawandel und eines rasant voranschreitenden Insektensterbens, das bereits drastisch an den noch häufigen Allerweltsarten spürbar ist, trifft es die seltenen Arten natürlich noch härter."

Man müsse die Schutzbemühungen weiterführen und intensivieren, dabei komme der Biotopvernetzung eine ganz besondere Bedeutung zu.

LUBW koordiniert das landesweite Schutzprogramm

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe koordiniert das Arten- und Biotopschutzprogramm. Sie trifft die Auswahl und die Priorisierung der zu berücksichtigenden Arten, beauftragt deren regelmäßige Erfassung und stellt die gewonnenen Daten der landesweiten Naturschutzverwaltung zur Verfügung. Zuständig für die Umsetzung und das Management der Arten- und Biotopschutzmaßnahmen sind die vier Regierungspräsidien in Baden-Württemberg.