Das Landwirtschaftsministerium hat den ersten Bericht zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln vorgelegt. Er soll Orientierung darüber geben, wie es mit der Reduktion läuft. Quelle: SWR vom 18.11.2021

In Baden-Württemberg werden im Jahr durchschnittlich rund 1.900 Tonnen chemisch-synthetische Wirkstoffe aus Pestiziden ausgebracht. Das steht im ersten Bericht des Landes zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Der weitaus größte Teil der in Baden-Württemberg ausgebrachten Pestizide entfällt auf die Landwirtschaft: rund 98 Prozent, unter anderem auf den Ackerbau, den Obst- und Weinbau und den Anbau von Gemüse. Hier werden vor allem Mittel gegen Unkraut und Pilze gespritzt.

Hobbygärtner fallen kaum ins Gewicht

Im Vergleich dazu fallen andere Bereiche wenig ins Gewicht. Etwa 1,6 Prozent der Wirkstoffmenge wird in Haus- und Kleingärten verwendet. Noch geringere Anteile hat die Chemie in Parks, auf Sport- und Golfplätzen, die Unkrautvernichtung bei der Bahn oder die Schädlingsbekämpfung im Forst.

Landesregierung will Pestizideinsatz halbieren

Mit dem sogenannten Biodiversitätsstärkungsgesetz hat sich die Landesregierung bis 2030 das Ziel gesetzt, die Anwendung der Pestizide um 40 bis 50 Prozent zu senken. "Dazu werden wir einen Ausgangspunkt beziehungsweise eine 'Baseline' festlegen, auf Grund derer wir sehen können, wie sich die Anwendungen über einen längeren Zeitraum entwickelt," so Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) anlässlich der Vorstellung des Berichts.

Die am Mittwoch vorgelegten Zahlen sind dieser Ausgangspunkt. Basis dieses ersten Pflanzenschutzmittelberichts seien Marktforschungsdaten und weitere Statistiken, so das Ministerium. Aus diesen Daten sei die vorläufige Ausgangslage in Höhe von 1.900 Tonnen chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittelwirkstoffe pro Jahr als Mittelwert aus mehreren Jahre abgeleitet worden, so der Landwirtschaftsminister in einer Mitteilung. In Zukunft wolle man in der Datenerhebung aber genauer werden und das Messnetz bis Frühjahr 2022 ausbauen.

NABU: "Fast schon historischer Moment"

Der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes (NABU), Johannes Enssle, bezeichnete die Vorstellung des Berichts in einer Mitteilung als "fast schon historischen Moment". Bislang sei Baden-Württemberg das erste Bundesland, das einen Referenzwert für die Halbierung des Pestizideinsatzes bis 2030 vorlege. Dies sei nach dem Volksbegehren 'Rettet die Bienen' als Ziel im Biodiversitätsstärkungsgesetz verankert worden. "Man sieht dem Bericht an, dass sich die Landwirtschaftsverwaltung damit große Mühe gemacht hat. Bislang ist so ein Bericht auf Ebene eines Bundeslandes einmalig“, so Enssle.

Der Bericht der Landesregierung bestätige die herausragende Rolle der Landwirtschaft bei der Pestizidreduktion, so Enssle. Damit liefere er eine gute Ausgangslage. Im Bericht werde beispielsweise deutlich, dass die Umstellung auf Ökolandbau ein wesentlicher Beitrag sei, um die Reduktionsziele in Baden-Württemberg zu erreichen. Bislang vermisse der Umweltverband aber eine Analyse nach Toxizität, also nach der Giftigkeit und dem Umweltrisiko der eingesetzten Wirkstoffe. Dies müsse die Regierung im nächsten Bericht nachreichen, fordert Enssle.